Reerdigung – wie aus einem verstorbenen Menschen neue Erde wird

Die Reerdigung eröffnet neben der Erd- und Feuerbestattung einen weiteren Weg, einen verstorbenen Menschen dem natürlichen Kreislauf zurückzugeben.

Wir haben bereits praktische Erfahrung mit der Reerdigung und dabei erlebt, wie unmittelbar und persönlich dieser Weg gestaltet werden kann. Wir informieren Sie über die Möglichkeiten und begleiten Sie, wenn Sie sich eine Reerdigung wünschen.

Was ist eine Reerdigung?

Die Reerdigung ist neben der Erd- und Feuerbestattung die dritte Bestattungsform in Deutschland, bei der ein verstorbener Mensch durch einen natürlichen Zersetzungsprozess zu neuer Erde wird. Dieser Prozess findet unter kontrollierten Bedingungen in einem eigens dafür entwickelten Behältnis statt, dem sogenannten Kokon.

Im schleswig-holsteinischen Bestattungsrecht wird diese Bestattungsform als „beschleunigte Verwesung“ bezeichnet. Gesetzlich vorgesehen ist die Umwandlung in einem geeigneten Behältnis innerhalb von höchstens drei Monaten mit anschließender Beisetzung der menschlichen Überreste auf einem Friedhof.

Der entkleidete Körper des verstorbenen Menschen wird auf pflanzliches Substrat gebettet und vollständig damit bedeckt. Durch die Aktivität körpereigener Mikroorganismen und unter kontrollierter Zufuhr von Luft und Feuchtigkeit wird die natürliche Zersetzung beschleunigt. Innerhalb von etwa 40 Tagen entsteht beim derzeit angewandten Verfahren neue Erde. Verbleibende Knochenbestandteile werden anschließend, ähnlich wie bei einer Feuerbestattung, aufbereitet und der Erde beigemengt.

Man spricht hier auch von Humankompostierung.

Für manche Menschen ist die Reerdigung besonders ansprechend, weil sie die Rückkehr in den natürlichen Kreislauf auf eine sehr unmittelbare Weise erfahrbar macht.

Wie läuft eine Reerdigung ab?

Eine Reerdigung umfasst mehrere Schritte: die Totenfürsorge, gegebenenfalls eine Abschiednahme, die zweite Leichenschau (eine weitere ärztliche Untersuchung des verstorbenen Körpers), die Überführung zum Ort der Reerdigung, die Umwandlung des verstorbenen Körpers in Erde und schließlich deren Beisetzung auf einem Friedhof. Wie dieser Weg gestaltet wird, hängt auch von den Wünschen der An- und Zugehörigen ab.

Eine persönliche Abschiednahme oder Trauerfeier kann beispielsweise bereits in Darmstadt oder Umgebung stattfinden. Ebenso ist es möglich, den Abschied am Ort der Reerdigung zu gestalten.

Für die Überführung nach Schleswig-Holstein gibt es unterschiedliche Wege. Wir können den verstorbenen Menschen selbst dorthin begleiten oder mit einem Überführungsdienst zusammenarbeiten. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass der Kokon nach Darmstadt gebracht wird und das Einbetten bereits hier stattfindet.

Beim derzeitigen Verfahren von MEINE ERDE beginnt im Alvarium – dem Ort, an dem die Reerdigung durchgeführt wird – anschließend der etwa 40-tägige Prozess. Der Kokon wird in eine sogenannte Wabe gestellt. Durch die kontrollierte Zufuhr von Luft und Feuchtigkeit und die Aktivität körpereigener Mikroorganismen wird der natürliche Prozess beschleunigt. Nach dessen Abschluss werden die verbliebenen Knochenbestandteile aufbereitet und der entstandenen Erde beigemengt.

Anschließend wird die Erde auf einem dafür zugelassenen Friedhof beigesetzt.

Auch die Begleitung dieser Beisetzung lässt sich unterschiedlich organisieren. Wir können selbst dabei sein oder mit einem Bestattungsunternehmen vor Ort zusammenarbeiten.

Weil die Reerdigung bislang nur in Schleswig-Holstein durchgeführt werden darf, entstehen für Menschen aus Darmstadt und Umgebung zusätzliche Transportwege und entsprechende Kosten. Welche Möglichkeiten sinnvoll und finanziell tragbar sind, besprechen wir gemeinsam und transparent.

Wir haben bereits Erfahrung mit der Reerdigung und wissen, dass es dabei nicht nur um die Organisation geht. Entscheidend ist, einen Weg zu finden, der zu den verstorbenen Menschen und ihren An- und Zugehörigen passt.

Abschied nehmen bei einer Reerdigung

Auch bei einer Reerdigung gibt es viele Möglichkeiten, den Abschied persönlich zu gestalten. Eine Abschiednahme oder Trauerfeier kann vor der Überführung stattfinden, am Ort der Reerdigung oder später bei der Beisetzung der neu entstandenen Erde.

Eine besondere Möglichkeit ist es, beim Einbetten des verstorbenen Menschen in den Kokon dabei zu sein und selbst mitzuwirken. Angehörige können den Körper mit dem pflanzlichen Substrat bedecken und diesen Schritt mit eigenen Händen gestalten.

Wie bedeutsam das sein kann, haben wir bei der Reerdigung von Sabine Mehne erlebt. Ihre Angehörigen haben sie gemeinsam in den Kokon gebettet und nach und nach mit dem pflanzlichen Substrat bedeckt. Anschließend haben sie zahlreiche getrocknete Rosenblätter über sie gegeben, die Sabine Mehne über einen längeren Zeitraum gesammelt hatte. Sie hatte sich gewünscht, auf Rosen gebettet und von Rosen umgeben zu sein.

Auch bei der späteren Beisetzung waren ihre Angehörigen aktiv beteiligt. Sie begleiteten den Sarg zur Grabstätte, halfen dabei, die entstandene Erde beizusetzen, schlossen das Grab mit eigenen Händen und bepflanzten es anschließend mit Rosen.

Solche Handlungen können für den eigenen Abschieds- und Trauerweg wertvoll sein. Angehörige erleben unmittelbar, was geschieht, und können selbst etwas für ihren verstorbenen Menschen tun. Dabei entstehen konkrete Erinnerungen an das, was sie gemeinsam gestaltet haben.

Nicht alle Menschen möchten sich auf diese Weise beteiligen. Manche möchten lieber dabei sein, ohne selbst etwas zu übernehmen. Andere wünschen sich mehr Abstand. Auch das hat seinen Platz.

Wir besprechen gemeinsam, welche Schritte sich für Sie richtig anfühlen und wie wir Sie dabei begleiten können.

WEITERFÜHRENDE DOKUMENTATION
EXTERNE LINKS

Die ARD-Dokumentation „Sterben, wie ich will“ begleitet Sabine Mehne auf ihrem Weg.

Teil 1 – Mein Weg

Teil 2 – Mein Sterben

Wo ist eine Reerdigung möglich?

Die Reerdigung ist eine noch junge Bestattungsform, deren rechtliche und praktische Möglichkeiten sich stetig weiterentwickeln.

Der eigentliche Reerdigungsprozess darf in Deutschland derzeit ausschließlich in Schleswig-Holstein durchgeführt werden. Die anschließende Beisetzung der neu entstandenen Erde ist auf dafür vorgesehenen Friedhöfen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern möglich.

Dabei ist wichtig, zwischen dem Ort der Reerdigung und dem Ort der späteren Beisetzung zu unterscheiden. Nicht jeder Friedhof in diesen Bundesländern bietet entsprechende Grabstätten an.

Welche Friedhöfe infrage kommen, welche Grabstätten verfügbar sind und wie diese gestaltet werden können, klären wir gemeinsam mit Ihnen. Dabei berücksichtigen wir auch, welche Region für Sie und Ihre An- und Zugehörigen passend ist.

Auch für Menschen aus Darmstadt und Umgebung kann eine Reerdigung möglich gemacht werden. Wir informieren Sie über die aktuellen Möglichkeiten und besprechen mit Ihnen, welche Wege dafür notwendig sind.

Passt eine Reerdigung zu meinen Vorstellungen?

Was spricht Sie an der Reerdigung besonders an? Ist es die Vorstellung, in den natürlichen Kreislauf zurückzukehren? Die Möglichkeit, den Abschied auf besondere Weise mitzugestalten? Oder der Wunsch nach einer möglichst umweltschonenden Bestattung?

Solche Fragen sind ein guter Ausgangspunkt für ein gemeinsames Gespräch. Wir möchten verstehen, was Ihnen wichtig ist, welche Vorstellungen Sie haben und welche Fragen oder Vorbehalte es vielleicht noch gibt.

Dabei schauen wir auch, ob sich Ihre Wünsche möglicherweise mit einer anderen Bestattungsform verwirklichen lassen.

Zur Entscheidung gehören ebenso die praktischen Rahmenbedingungen: Wo kann die Reerdigung stattfinden? Wo wird die entstandene Erde später beigesetzt? Welche Wege und Kosten sind damit verbunden? Und wie wichtig ist Ihnen die Nähe zur späteren Grabstätte?

Auch die Frage nach der Umweltbilanz verdient eine differenzierte Betrachtung. Die Entfernung zum Ort der Reerdigung und die notwendigen Transporte spielen dabei eine Rolle. Eine Reerdigung ist deshalb nicht automatisch in jedem Fall die ökologisch günstigere Bestattungsform.

Wir erklären die Möglichkeiten und Grenzen, beantworten Ihre Fragen und schauen gemeinsam mit Ihnen, welcher Weg Ihren Vorstellungen entspricht. Die Entscheidung bleibt bei Ihnen.

Mehr zur Reerdigung und zur Bedeutung von Selbstwirksamkeit erläutert Tom Schröpfer in seinem Statement bei der Stiftung Reerdigung.

Was kostet eine Reerdigung?

Die Kosten einer Reerdigung hängen davon ab, wie der gesamte Weg gestaltet wird. Neben dem eigentlichen Reerdigungsverfahren entstehen Kosten für die Leistungen des Bestattungsunternehmens, die Überführung, die gewünschte Abschiedsgestaltung und die spätere Beisetzung. Für Menschen aus Darmstadt und Umgebung spielen insbesondere die Transportwege nach Schleswig-Holstein eine Rolle. Je nachdem, wie die Überführung organisiert wird, wer die spätere Beisetzung begleitet und welche Aufgaben wir selbst oder ein Bestattungsunternehmen vor Ort übernehmen, können die Kosten unterschiedlich ausfallen. Deshalb nennen wir keinen pauschalen Gesamtpreis. Wir besprechen mit Ihnen, welche Gestaltung und Begleitung Sie sich wünschen, prüfen die verschiedenen Möglichkeiten und erstellen darauf aufbauend eine individuelle und transparente Kostenaufstellung.

Mehr über Bestattungskosten

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

Weitere fachliche und technische Fragen zur Reerdigung beantworten die FAQ von MEINE ERDE und die Stiftung Reerdigung.

FAQ von MEINE ERDE

Stiftung Reerdigung

Reerdigung mit sterbenleben besprechen

Wenn Sie sich für eine Reerdigung interessieren, sprechen Sie uns gerne an – unabhängig davon, ob Sie für sich selbst vorsorgen oder einen verstorbenen Menschen begleiten.

Wir hören zu, was Ihnen wichtig ist, informieren Sie über die aktuellen Möglichkeiten und klären gemeinsam mit Ihnen, ob und wie sich eine Reerdigung umsetzen lässt. Dabei besprechen wir auch die organisatorischen Wege und die zu erwartenden Kosten.

Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail.